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Sieben Kaufkriterien für Campus-LAN-Switches

Bevor Sie die Suche nach bestimmten Anbietern und Campus-LAN-Switches starten, sollten Sie anhand unserer Kriterien Ihren konkreten Bedarf abschätzen.

Hinweis der Redaktion: Im dritten Teil unserer vierteiligen Reihe über Campus-Switches stellen wir die relevanten Kriterien für den Kauf dieser Switches vor. Im ersten Teil haben wir uns mit Funktion und Arbeitsweise dieser Komponenten beschäftigt. Der zweite Artikel behandelte die wichtigsten Einsatzszenarien.

Wenn Sie vor der Aufgabe stehen, den richtigen Campus-LAN-Switch für Ihre Organisation auszuwählen, geht es nicht einfach nur um die Frage, ob Ihr Netzwerk von Zugriffs-, Verteilungs- und Kern-Switches (Access-, Distribution- und Core-Switches) profitieren würde. Es gilt, eine Vielzahl von anderen Entscheidungen zu treffen, bevor Sie Ihre Liste auf einen bestimmten Anbieter und ein konkretes Switch-Modell eingrenzen können. Werfen wir einen Blick auf die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten, die Sie beim Evaluieren von Campus-Switches berücksichtigen sollten.

Port-Geschwindigkeiten und Schnittstellenverbindungen

Zuerst sollten Sie herausfinden, welche Port-Geschwindigkeiten Ihr Netzwerk erfordert und welche Verbindungstypen für die Ports am nützlichsten und/oder kosteneffizientesten wären. Die meisten modernen Campus-LAN-Switches unterstützen eine breite Palette an Portgeschwindigkeiten, darunter Gigabit Ethernet (GbE), 10 GbE, 40 GbE und 100 GbE. Die meisten Endgeräte verwenden gewöhnliche Gigabit-Ethernet-Verbindungen, während Server und Uplink-Ports möglicherweise deutlich schnellere Portgeschwindigkeiten und aus Redundanzgründen mehrere Ports benötigen.

Sie müssen zudem Portgeschwindigkeiten für die aktuellen drahtlosen Access Points (APs) nach 802.11ac berücksichtigen. Diese APs können nun mehr als 1 GBit/s an verbundene Clients liefern. Aus diesem Grund kann eine herkömmliche Gigabit-Ethernet-Verbindung zu einer Engstelle in puncto Durchsatz werden. Um dieses Problem zu beseitigen, liefern einige Netzwerkausrüster Ports für NBASE-T, MGBASE-T und IEEE 802.3bz aus, die Durchsatzgeschwindigkeiten von 2,5 bis 5 GBit/s bei einer CAT5e- oder CAT6-Verkabelung bieten.

Was die Schnittstellenverbindungen betrifft, haben Sie meist die Wahl zwischen Kupfer, Glasfaser und Direct Attach Copper (DAC). Letzteres ist auch als SFP+ Direct Attach bekannt. Die Entscheidungen, welchen Typ einer Schnittstellenverbindung Sie wählen sollten, drehen sich um die erforderliche Port-Geschwindigkeit und darum, welche Verkabelungsart bereits in einem Gebäude oder auf einem Betriebsgelände installiert ist.

Wenn zum Beispiel eine CAT6-Verkabelung vorliegt, die von Ihrem Verteilerschrank zu jedem Arbeitsbereich in einem Gebäude verläuft, werden diese Ports Gigabit-Ethernet-Verbindungen mit standardmäßigen RJ45-Anschlüssen nutzen. Und falls alle Verteilerschränke mittels Multimode-Glasfaser miteinander verbunden sind, empfiehlt es sich, nach einem Switch zu suchen, der über SFP-Uplink-Schnittstellen (Small Form-factor Pluggable) verfügt, so dass Sie LC-Glasfaser-Transceiver installieren können.

Auch die Anzahl der von Ihnen benötigten Verbindungen wird starken Einfluss darauf haben, welchen Switch-Typ Sie kaufen sollten. Fixed-Port-Switches sind in der Regel preisgünstiger, aber Sie sind auf die vorhandene Portanzahl und -typen angewiesen. Modulare Switches wiederum lassen sich upgraden, so dass Sie einfach die Anzahl der Ports erhöhen und die Schnittstellentypen ändern können.

Power over Ethernet (PoE)

Viele Geräte, die sich mit Zugriffs-Switches verbinden, können über eine PoE-Schnittstelle mit Strom versorgt werden. PoE nutzt ein und dasselbe Kupferkabel, um sowohl die Netzwerkkonnektivität als auch die erforderliche Stromversorgung bereitzustellen. Daher entfällt bei Power over Ethernet der Anschluss über eine normale Steckdose. Zu den gängigen PoE-Geräten zählen unter anderem IP-Telefone, APs und IoT-Sensoren (Internet of Things). Es existieren mehrere unterschiedliche PoE-Standards, und jeder Standard unterstützt eine andere maximale Wattleistung pro Port. Daher ist es wichtig zu wissen, wie viel Watt Ihre Endgeräte tatsächlich benötigen. Im Folgenden finden Sie die Leistungsangaben für drei populäre PoE-Standards, die heute verwendet werden:

  • IEEE 802.3af-2003: PoE bis zu 15,4 W pro Port.
  • IEEE 802.3at-2009: PoE+ bis zu 25,5 W pro Port.
  • Cisco Universal Power over Ethernet bis zu 60 W pro Port.

Performance

Zu verstehen, wie viel Durchsatz Ihr Netzwerk voraussichtlich braucht – sowohl heute als auch in einigen Jahren –, ist ein wesentlicher Teil des Beschaffungsprozesses. Preisgünstige Zugriffs-Switches bieten eine gute Portdichte, aber verglichen mit Switches, die für Switching-Aufgaben auf Verteilungs- und Kernebene konzipiert sind, wird ihr maximaler Durchsatz wesentlich niedriger liegen.

Die Switching-Performance hängt auch stark davon ab, ob der Switch auf Layer 2, Layer 3 oder auf beiden arbeiten wird. Und sofern der Switch Layer-3-Funktionen übernimmt, muss er in der Lage sein, das verwendete Routing-Protokoll zu unterstützen. Zum Beispiel können fast alle Multi-Layer-Switches für den Enterprise-Bereich unter Verwendung von statischen Routen oder offenen dynamischen Routing-Protokollen, etwa Open Shortest Path First (OSPF), arbeiten. Wenn Sie jedoch komplexere Routing-Protokolle, beispielsweise das Border Gateway Protocol (BGP), oder proprietäre Protokolle, wie das Enhanced Interior Gateway Routing Protocol (EIGRP), nutzen, dann müssen Sie darauf achten, dass der Switch, den Sie auswählen, die notwendigen Routing-Protokolle unterstützen kann.

Redundanz

Die typischen Campus-LAN-Designs verlangen ein bestimmtes Maß an integrierter Redundanz, um die Konnektivität zur Mehrzahl der User aufrechtzuerhalten, falls eine Verbindung oder ein Switch ausfällt. Wenn Sie mit der Recherche zu Campus-Switches beginnen, werden Sie wahrscheinlich merken, dass sich Redundanz auf sehr viele verschiedene Arten per Hardware und Software realisieren lässt. Dazu zählen redundante Switches, Uplinks und Redundanzprotokolle auf Layer 2 oder Layer 3. Es ist wichtig zu verstehen, welche Redundanztechniken Sie nutzen wollen – und zu überprüfen, ob alle wichtigen Switches die notwendigen Redundanzaufgaben auch durchführen können.

Überlegungen zur physischen Umgebung

Switches werden an vielen verschiedenen Standorten bereitgestellt. Zum Beispiel können Switches, die in Fertigungsstätten – wo es oft heiß oder feucht ist – installiert sind, ausfallen, wenn eine nicht geeignete Switch-Hardware verwendet wird. Dort, wo Switches in rauen Umgebungen betrieben werden, wären spezielle Switches, die so gestaltet sind, dass sie zum Beispiel mit Hitze und fehlender Luftzirkulation besser zurechtkommen, langfristig die bessere Wahl. Für Deployments, bei denen wenig Platz zur Verfügung steht, gibt es auch kompakte und in der Tiefe reduzierte Switches.

Erweiterte Funktionen

Ein Switch für den Einsatz im Unternehmensbereich verfügt buchstäblich über Hunderte von Funktionen. Es liegt also an Ihnen, zu entscheiden, welche davon Sie brauchen und welche Campus-LAN-Switches diese Funktion tatsächlich bieten können. Hier einige Beispiele für erweiterte Switch-Funktionen:

  • Konvergierter kabelgebundener oder kabelloser Zugriff;
  • Erweiterte Sicherheitsfunktionen;
  • Integrierte Troubleshooting-Tools; sowie
  • Automatisierte Integration in externe Troubleshooting- und Management-Tools.

Anforderungen an den Support

Bevor Sie einen bestimmten Anbieter von Campus-LAN-Switches auswählen, müssen Sie sich noch gründlich mit den Support-Leistungen beschäftigen sowie mit den Preisen für die Switch-Hardware und -Software, die Sie kaufen wollen. Zum Beispiel bieten einige Hersteller freien und unbegrenzten Zugriff auf Updates für die Switch-Firmware, während andere einen Support-Vertrag verlangen, bevor Sie Updates oder Patches herunterladen dürfen. Auch die Garantieleistungen für den Austausch von Hardware variieren äußerst stark. Einige Hersteller bieten für ausgewählte Switch-Typen eine sehr lange Garantie für den Austausch von Hardware, andere hingegen sind sehr knausrig. Sobald dann Supportverträge abgeschlossen sind, lassen sich diese Fristen dann verlängern.

Technische Unterstützung und Troubleshooting per Internet oder Telefon sind weitere wichtige Überlegungen. Durch einen technischen Supportvertrag erschließen Sie sich weiteres technisches Know-how, um Fehlkonfigurationen oder Hardware- und Softwarefehler in den Griff zu bekommen. Auf diese Weise können Sie besser für ein stabiles Campus-Netzwerk sorgen.

Nun, da Sie eine klarere Vorstellung von den Funktionen und den Einsatzmöglichkeiten haben, die es zu berücksichtigen gilt, ist es an der Zeit, die Marktführer unter den Campus-LAN-Switches unter die Lupe zu nehmen. Der abschließende Artikel in dieser Reihe befasst sich eingehend mit den Angeboten der Top-Anbieter, damit Sie einschätzen können, welcher Unternehmens-Switch sich für Ihre spezifischen Einsatzszenarien am besten eignet.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2016 aktualisiert

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