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Welche Vorteile bringt 400 Gigabit Ethernet für das Data Center?

Mit 400 Gigabit Ethernet wird das Netzwerk in Sachen Performance und Latenz weiter verbessert. Anfangs werden sich wohl nur Cloud-Provider freuen.

Die Anwendungsfälle für 400 Gigabit Ethernet sind derzeit noch etwas rar und nur im High-End-Bereich zu finden. Wie Sie sich schon denken können, werden zu den frühen Anwendern in erster Linie die Cloud-Scale-Provider gehören. Der Standard wird aller Voraussicht nach im Jahre 2017 abgesegnet. Er basiert auf einzelnen Leitungen mit 50 Gbit/s, die gruppiert werden.

Praktisch gesehen bedeutet die neue Spezifikation eine Reduzierung der Überzeichnung sogenannter Leaf-Spine-Switches und den Point-to-Point-Verbindungen im Data Center. Für den Enterprise-Kunden bringt das einige Vorteile mit sich.

  1. Der potenziell erhöhte Bandbreite reduziert die Kosten für das ausgelieferte Gigabit, wenn Sie es mit existierender Glasfaserinfrastruktur vergleichen. Es ist ein wichtiger Faktor für die Kalkulation, wie viele Anwender oder Mandanten die jeweilige Infrastruktur versorgen kann. Die hier möglichen Einsparungen werden unterm Strich wieder an den Kunden zurückgegeben, wenn auch nicht sofort.
  2. Die erhöhte Dichte dieser Sub-Terabit-Verbindungen werden die Effizienz des Data Centers verbessern. Je weniger separate Paare ein System benötigt, um die gleiche Bandbreite liefern zu können, desto weniger statische Masse muss gekühlt werden. Das bedeutet eine Reduzierung der Kühlvoraussetzungen. Sie benötigen weniger Energie, um die gleiche Infrastruktur kühlen zu können. Planer von Data Centern werden diesen Fakt sehr wahrscheinlich nutzen, um die Räumlichkeiten dichter zu bestücken.
  3. Auch bei der Konkurrenzsituation wegen der Überzeichnung dürfte es Verbesserungen geben. Public Clouds werden dadurch verlässlicher und weniger störanfällig für Probleme, die durch die Computer anderer Anwender verursacht werden. Die Cloud und hybride Cloud-Modelle werden dadurch natürlich interessanter. Die Unterschiede bei Performance und Latenz zwischen der Cloud und den Systemen am eigenen Standort schwinden immer mehr.
  4. Verbindungen im Terabit-Bereich weisen potenziell geringere Latenz auf. Das dürfte interessant für den Hochfrequenzhandel und andere Umgebungen sein, bei denen Zeit eine entscheidende Rolle spielt. In der Tat werden Umgebungen mit 400 Gigabit Ethernet (GbE) den Zeitraum reduzieren, die eine Transaktion für eine Übertragung benötigt. Diese Erhöhung bei der Geschwindigkeit bringt allerdings ganz eigene Stolpersteine und Einschränkungen mit sich. Solche hohen Datenraten verlangen nach FEC (Forward Error Correction). FEC verursacht allerdings zusätzliche Latenz und somit sind einige oder sogar alle Vorteile wieder hinfällig. Im Moment sieht es aber so aus, dass FEC anscheinend optional ist. Die individuelle Implementierung wird dann zeigen, ob die Funktion notwendig ist oder nicht.
  5. Der größte und möglicherweise auch offensichtlichste Vorteil einer serienreifen Implementierung des Netzwerkstandards 400 GbE wird der Heiligenscheineffekt oder Halo-Effekt sein. Existierende Implementierungen mit 100 GbE und 40 GbE sind dann einfach nicht mehr Stand der Technik. Das wird sich ohne Zweifel positiv auf die Kosten für eine gesamte Infrastruktur auswirken. Durch den Kostendruck werden Unternehmen Flaschenhälse ausmerzen können, die andernfalls finanziell einfach nicht zu stemmen wären.

Im Moment existiert 400 Gigabit Ethernet allerdings nur als Machbarkeitsstudie (Proof-of-Concept) und Test-Hardware. Die Technologie wird aber auf jeden Fall kommen und der Branche ihren Stempel aufdrücken. Die ersten Kunden warten ohne Zweifel schon ungeduldig auf die Verbesserungen beim Netzwerk und haben das notwendige Geld schon auf die Seite gelegt. Weniger absehbar ist, was nach 400 GbE folgt. Aus technischer Sicht steht die zusätzliche Frage im Raum, wie wir dorthin gelangen.

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Artikel wurde zuletzt im November 2016 aktualisiert

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