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Sind passive optische Netzwerke (PON) für den Unternehmens-Einsatz brauchbar?

Passive optische Netzwerke eignen sich vor allem für den Einsatz bei Service-Providern. In manchen Fällen profitieren aber auch Unternehmen von PONs.

Passive optische Netzwerke (Passive Optical Network, PON) sind eine Technologie, die Service-Provider für Fiber-to-the-Home-Topologien...

einsetzen. Durch die Kombination von Frequenz- und Zeit-Multiplexverfahen (Frequency/Time Division Multiplexing) werden so über einen einzigen Fibre-Optic-Strang Sprach-, Video- und Daten-Pakete an Kunden ausgeliefert. Das Ganze wird in einer Architektur umgesetzt, die den Providern einen minimalen Einsatz von Verkabelung und sonstigem Material erlaubt.

Die Daten werden über ein Optical Line Terminal (OLT) in der Zentrale des Providers mit 1310 Nanometern an die Kunden übertragen, danach durchläuft das Signal Splitter und kann bis zu 128 Kunden in einem Bereich von ungefähr 20 Kilometern bedienen.

Die Kunden wiederum sind mit Optical Network Terminals (ONTs) ausgerüstet, die standardmäßige Sprach- (analog), Video- (coaxial) und Daten-Dienste (Ethernet) zur Verfügung stellen. Upstream-Daten werden mit 1490 Nanometer und zeitlich koordiniert übertragen. Auf diese Weise behindern sich die ONTs nicht, wenn sie kombiniert werden. Video-Dienste lassen sich mit einem optischen Signal von 1550 Nanometern oder via IP-Multicast bereitstellen.

Wie steht es nun mit dem Einsatz von passiven optischen Netzwerken in Unternehmen? Ein Unternehmen oder eine Bildungseinrichtung auf einem großen Gebäude oder mit einer großen Campus-Umgebung erlangt möglicherweise die gleichen Vorteile mit passiven optischen Netzwerken, die auch Service-Provider davon haben. Durch die Minimierung von Verkabelung und Material lassen sich unter Umständen Kapital und Betriebskosten einsparen, zudem kann ein einziges Optical Line Terminal tausende von Anwendern bedienen und trotzdem zentral auf dem Firmengelände bereitgestellt werden.

Optical Network Terminals wiederum können am Arbeitsplatz der Anwender installiert werden, etwa unter dem Bürotisch, in einem Hotel oder Studentenwohnheim. Auf diese Weise kann der Bedarf an aktiver Ausrüstung minimiert werden, die sich in kontrollierten Telekom-Einbauschränken befindet. In der Folge müssen Sie auch weniger Energie aufwenden, und zwar sowohl für IT-Infrastruktur als auch für Kühlung. Wenn Sie all diese Aspekte zusammen nehmen, dann bekommt ein Gebäude alleine dadurch möglicherweise schon eine bessere Umwelt-Zertifizierung.

Bevor sich IT-Verantwortliche allerdings für passive optische Netzwerke entscheiden, sollten einige wichtige Punkte bedacht werden. Zunächst einmal brauchen Sie, verglichen mit traditionellen Netzwerken, ein komplett anderes Fachwissen, um PONs zu designen, einzusetzen und zu betreiben. Die Nachfrage nach analogen Sprachdiensten dürfte zudem in Umgebungen, in denen zum Beispiel auch Voice-over-IP angeboten wird, eher minimal sein, während die Bündelung ausgestrahlter Videos in einer PON-Umgebung möglicherweise nicht vorteilhaft ist, solange nicht an fast jedem Arbeitsplatz ein CATV benötigt wird.

Es gibt zwar Standards, die die Schnittstelle zwischen ONTs und OLTs definieren, und zwar sowohl für Gigabit Passive Optical Network (GBPON) als auch für IEEE mit Ethernet-based Passive Optical Network. Beide sind von der International Telecommunication Union (ITU) ausgegeben. In Wirklichkeit sind Sie allerdings bei der Wahl eines Anbieters meist schon eingeschränkt, sobald Sie den OLT-Hersteller gewählt haben. Das führt möglicherweise zu einem „Goldenen Käfig“ und zur kostspieligen Bindung an einen Anbieter, da Sie bei zukünftigen Expansionen möglicherweise Nachteile bei den Verhandlungen haben werden. Das gilt übrigens auch für nachträglich gewünschte Funktionserweiterungen, wenn Ihr Anbieter die Funktionen nicht unterstützt.

Passive optische Netzwerke wurden ursprünglich für Service-Provider erschaffen. Deswegen bieten PON-Systeme möglicherweise nicht alle Funktionen, die Sie in einem Unternehmens-Netzwerk benötigen. Achten Sie zum Beispiel speziell auf Security-Funktionen wie zum Beispiel dem Authentifizierungs-Standard 802.1x oder auch auf Power over Ethernet (PoE). Da PON-Anbieter ihre Produkte und Dienste inzwischen allerdings verstärkt auch auf dem Enterprise-Markt anbieten, dürften diese Funktionen demnächst implementiert werden.

Unterm Strich lässt sich damit sagen, dass passive optische Netzwerke eine spannende Technologie für Service-Provider sind. Unternehmen allerdings sollten einen Einsatz gründlich planen, für manche Einsatzzwecke in Unternehmen könnten passive optische Netzwerke aber durchaus ebenfalls die richtige Wahl sein.

Artikel wurde zuletzt im April 2014 aktualisiert

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